Alkohol

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Beliebtes Genussmittel

Alkohol hat in unserer Gesellschaft eine Jahrtausende alte Tradition: als «soziales Schmiermittel» bei geselligen Anlässen, als krönende Ergänzung kulinarischer Genüsse oder als «Weltmeister im Durstlöschen » (so die bekannte Bierreklame) usw. Der durchschnittliche Konsum ist in der Schweiz in den letzten Jahren etwas gesunken und hat sich pro Jahr und Kopf der Bevölkerung bei ca. 9 Liter reinen Alkohols eingependelt. Wenn man bedenkt, dass ein Erwachsener jährlich mit der festen Nahrung und in Form von Getränken etwa 850 l Flüssigkeit aufnimmt, scheinen 9 Liter Alkohol auf Anhieb wenig zu sein. Aber aufgepasst: Diese Menge reinen Alkohols entspricht etwa 180-200 l Bier oder 80-90 l Wein! Alkoholische Getränke fliessen also auch bei uns noch immer in Strömen.

Rund 80% der Erwachsenen konsumieren Alkohol, meist massvoll und ohne Probleme. Eine relativ kleine Minderheit, nämlich 7-10%, trinkt hingegen etwa die Hälfte aller alkoholischen Getränke; sie weist damit ein problematisches Konsumverhalten auf. Darüber hinaus gibt es deutliche sozio-kulturelle Unterschiede. Romands und Tessiner trinken im Schnitt mehr Alkohol als Deutschschweizer, und bei ihnen ist Wein beliebter als Bier.

Wenn man die kritische Grenze des Konsums bei 80g reinem Alkohol/Tag ansetzt, müssen etwa 5% der Bevölkerung, also etwa 350'000 Schweizer/-innen, als starke Trinker bezeichnet werden. Viele von ihnen haben oder verursachen deswegen Probleme. Ebenfalls zu Besorgnis Anlass geben neue Entwicklungen: So nimmt etwa der Anteil der Frauen unter den Alkoholkonsumenten zu. Damit steigt leider auch die Rate der Neugeborenen mit alkoholbedingten Schädigungen. Der Alkoholkonsum Jugendlicher war lange Zeit eher rückläufig. Jetzt kommen die sog. «Alcopops», alkoholhaltige Süssgetränke, zunehmend in Mode - der rückläufige Trend könnte also wieder umschlagen.

Gesundheitlicher Schaden

Alkohol liefert pro Gramm mit 7 Kilokalorien fast doppelt soviel Energie wie Kohlenhydrate und Eiweiss. Wer übermässig viel Alkohol konsumiert, bezieht seine Kalorien quasi «in flüssiger Form» und isst in der Folge oft unausgewogen. Dadurch werden dem Körper nicht genügend essentielle (= lebensnotwendige) Nährstoffe zugeführt. Überdies verzögert Alkohol die Fettverbrennung im Körper. Wer also Gewichtsprobleme hat, sollte nicht oder nur wenig trinken.

Es gibt im menschlichen Körper kein Organ oder Zellsystem, welches durch Alkohol nicht direkt oder indirekt geschädigt werden kann. In der Medizin gehört die Behandlung alkoholbedingter Folgekrankheiten nicht nur die medizinischen Folgen des übermässigen Alkoholkonsums sind belastend, sondern auch die psychosozialen: Akutes Trinken ist oft Ursache von Hemmungslosigkeit, Aggressionen und Gewalttätigkeiten. Chronisches Trinken ist fast immer Ursache schwerwiegender sozialer und ökonomischer Probleme (familiäre Spannungen, Verlust von Freunden, Arbeitslosigkeit, Verschuldung). Hinzu kommen in vielen Fällen psychische Probleme, welche von Depressionen bis zum Abbau intellektueller Fähigkeiten, zum Delirium tremens oder gar zum Suizid führen können.

Gesundhweitlicher Nutzen

Neuerdings mehren sich die Hinweise darauf, dass ein moderater Alkoholkonsum auch einen positiven Einfluss, z.B. auf die Entstehung arterosklerotischer Veränderungen hat und damit zum Schutz vor Herzinfarkt beitragen kann. Diese präventive Wirkung zeigt sich aber primär bei Männern ab 40 Jahren bzw. bei Frauen ab 50 Jahren. Dies heisst aber keinesfalls, dass bisher abstinente Personen nun aus gesundheitlichen Gründen Alkohol trinken sollen! Die Zusammenhänge sind nämlich komplex - bei Frauen beispielsweise steigt schon bei einem Konsum von über 3 Standardgläsern pro Tag (s. folgende Seiten) das Mortalitätsrisiko für Leberzirrhose, Brust- und Dickdarmkrebs oder Schlaganfall deutlich.

Empfehlungen

Wieviel ist zuviel?

Aus den erwähnten Gründen ist es nicht einfach, eindeutige Richtlinien darüber aufzustellen, wer in welchen Situationen besser auf Alkohol verzichten bzw. wer wieviel trinken soll. Manche Menschen entwickeln schneller Alkoholprobleme als andere. Ebenso reagieren Menschen in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich auf Alkohol. Frauen sind gegenüber Alkoholika insgesamt empfindlicher als Männer. Wenn eine Frau und ein Mann mit identischem Körpergewicht gleichviel Alkohol trinken, treten bei der Frau rascher beeinträchtigende Wirkungen auf. Die nachfolgenden Empfehlungen von Experten sind keine Anleitung zum Trinken, sondern Grenzwerte:

  • 2 Standardgläser alkoholische Getränke pro Tag sind unbedenklich
  • Im geselligen Rahmen können es auch einmal 4 Standardgläser sein
  • Frauen konsumieren mit Vorteil etwas weniger
  • Aus gesundheitlichen Gründen empfiehlt es sich, Tage ohne Alkohol einzuschieben

Unter einem Standardglas verstehen wir die Alkoholmenge, die normalerweise im Gastgewerbe pro Glas ausgeschenkt wird. Ein Standardglas enthält ca. 8 g reinen Alkohol. 

  • 1 Standardglas = 3 dl Normalbier oder Apfelmost
  • 1 Standardglas = 1 dl Wein
  • 1 Standardglas = 1 Aperitif (0.4 dl)
  • 1 Standardglas = 1 Schnaps (0.2 dl)

Zu Hause gehen viele Leute wesentlich grosszügiger mit Alkohol um. So trinken sie unter Umständen in einem grossen Wein- Schnaps- oder Bierglas die Menge von drei oder vier Standardgläsern aufs Mal.

Ganz auf Alkohol verzichten sollen 

  • Kinder
  • schwangere und stillende Frauen
  • Personen, die Medikamente jeder Art zu sich nehmen
  • Personen, welchen aus medizinischen Gründen vom Alkoholkonsum abgeraten wird
  • Personen, die unter seelischen Problemen oder Krankheiten leiden
  • Personen mit Untergewicht
  • Personen mit starkem Übergewicht

Ausserdem gibt es viele Alltagssituationen, in welchen sich ein Alkoholverzicht aufdrängt, weil Alkohol uns selbst und andere in Gefahr bringt:

  • Vor oder während dem Lenken von Motorfahrzeugen oder dem Bedienen von Maschinen
  • Vor oder während sportlicher Betätigung wie Fussball, Reiten, Segeln, Ski fahren, Tauchen, Bergsteigen, Velo fahren usw.
  • Vor und während der Arbeit (viele Berufsgruppen kennen ein explizites Alkoholverbot)


Tipps für den Umgang mit Alkohol

Im Alltag

  • Alkoholika sind schlechte Durstlöscher - hierzu gibt es viel wirkungsvollere Getränke («Hanenburger» oder Mineralwasser, kalter Kräutertee, verdünnte Fruchtsäfte usw.)
  • Bevorzugen Sie Getränke mit niedrigem Alkoholgehalt anstelle von «hochkarätigen». Alkoholfreie Alternativen zu Bier und Apfelmost haben geschmacklich ausgezeichnete Qualität.
  • Essen Sie immer etwas, während Sie trinken. Das verlangsamt nicht nur die Geschwindigkeit, mit der Alkohol in den Kreislauf übergeht, es vermindert auch die konsumierte Menge. Die oft zu Alkoholika angebotenen Salznüsse, Chips und Crackers usw. steigern nur den Durst und liefern unnötiges Fett.
  • Reduzieren Sie den Alkoholkonsum, wenn Sie Gewichtsprobleme haben. Vermeiden Sie insbesondere Alkoholika nach dem Nachtessen.


Bei Anlässen 

  • Bestimmen Sie schon vorher, wieviel Standardgläser Sie bei einem geselligen Anlass trinken wollen, und halten Sie sich daran.
  • Machen Sie nicht mit, wenn Runden spendiert werden, oder bestellen Sie alkoholfreie Getränke oder einen Kaffee.
  • Trinken Sie bei ausufernden Tafelrunden zwischendurch alkoholfreie Getränke wie Fruchtsaft, Milch, Limonade und Wasser. Bestellen Sie zum Wein immer Mineralwasser.
  • Setzen Sie Ihr Glas zwischen jedem Schluck ab. So trinken Sie langsamer.
  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie wahrscheinlich mehr trinken als Sie möchten, entfernen Sie sich für kurze Zeit vom Tisch oder von der Bar und schnappen frische Luft.
  • Lassen Sie sich von niemandem zum Trinken zwingen, auch an Feiern und Parties nicht. Sagen Sie halt, wenn es genug ist - gute Freunde respektieren ein «Nein danke».
  • Trinkfestigkeit ist keine Tugend und kein Verdienst! Man(n) kann seine Männlichkeit (oder Frau ihre weibliche Emanzipation) auch anders beweisen als mit «ex und hopp!»-Wettbewerben.

 

 

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