

Hirnverletzte Menschen werden von einem Moment auf den andern aus ihren gewohnten Bahnen geworfen und sind gezwungen, ihr Leben mit den vielfältigsten Behinderungen neu zu gestalten. Nach Zahlen aus Deutschland bleibt bei ca. 80% der Schlaganfall-Patienten eine Behinderung zurück. Jeder vierte behinderte Mensch leidet an den Folgen eines Schlaganfalls.
Bei den Auswirkungen einer Hirnverletzung kommt es darauf an, welche Hirnareale geschädigt wurden und wie schwer. Folgende Störungen können u.a. auftreten:
Da die oft unsichtbaren Behinderungen von Hirnverletzungen nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in Fachkreisen oft ungenügend bekannt sind, werden die Betroffenen immer wieder als Simulanten abgetan und nicht ernst genommen. Nicht selten führt diese Unkenntnis zu zunehmender Vereinsamung von hirnverletzten Menschen und ihren Angehörigen.
Nach einer traumatischen Hirnverletzung oder einem schweren Hirnschlag fallen viele Patienten ins Koma. Sie sind bewusstlos, reagieren auf keine äusseren Reize und halten die Augen geschlossen.
Der deutsche Neurologe Andreas Zieger, hält in einer Angehörigenbroschüre unmissverständlich fest: "Menschen im Koma und Wachkoma sind weder "Hirntote" noch "Sterbende", sondern schwerstkranke, lebende und empfindsame Menschen, die, solange sie leben, mit Leib und Seele mit der Umgebung und mit anderen Menschen verbunden sind."
Für die Förderung des Überlebenswillens, den Erfolg der Behandlung und die Zufriedenheit des bewusstlosen Patienten seien konsequente Dialogangebote der Angehörigen von grosser Bedeutung. Mit Dialogangeboten meint der Oldenburger Neurologe zum Beispiel: Positive Anregungen geben über sämtliche Sinne - den Bewusstlosen einen vertrauten Geruch riechen lassen, ihn zärtlich streicheln oder liebevoll zu ihm sprechen. Denn: "Auch nach einer schweren Hirnschädigung können Menschen sich weiter entwickeln... und sich eine neue, andere Identität aufbauen."
Gemäss Andreas Zieger ist Koma "eine ungewöhnlich tiefe Betäubung oder ein tiefer Schlaf, der entweder durch eine schwere Krankheit oder als Folge einer schweren Schädel-Hirnverletzung auftritt". Medizinisch wird Koma mit Bewusstlosigkeit gleichgesetzt: Der Patient ist komplett unansprechbar und zeigt keinerlei Reaktionen auf äussere Reize, seien dies Schmerz, Berührung, Geschmack, Geräusche oder Gegenstände, die ihm gezeigt werden. Er hält die Augen geschlossen, hat keinen Schlaf-Wach-Rhythmus und muss beatmet werden.
Erwacht ein Patient nicht direkt aus dem Koma, so tritt normalerweise nach zwei bis vier Wochen ein neuer Zustand ein: das Wachkoma, im Fachjargon Appallisches Syndrom genannt.
Appallische Patienten sind zeitweise wach, mit offenen Augen, jedoch ohne mit der Umwelt zu kommunizieren. Sie scheinen durch andere Menschen hindurchzuschauen. Sie reagieren aber auf Schmerz, Lichtblitze oder Lärm. In der Schweiz versinken etwa 30 Verunfallte pro Jahr in diesen Zustand, dazu kommt eine unbekannte Anzahl Überlebender von Selbstmordversuchen, Drogenüberdosen oder Sauerstoffmangel infolge eines Herzinfarktes.
Obwohl zu keinerlei Kontaktaufnahme fähig, zeigen sich bei vielen Wachkoma-Patienten Reste von Wahrnehmung und Bewusstsein. Sie können plötzlich brummen, seufzen oder mit Armen und Beinen um sich schlagen; zuweilen sind Reaktionen auch der Situation angemessen. Das kann Lachen auf einen Witz sein, oder auch nur eine Veränderung der Körperspannung auf angenehme oder unangenehme Reize. Neurologen stufen solche Reaktionen nicht mehr einfach als "unwillkürliche Reflexe", sondern zunehmend als geistige Leistungen ein. Eine Gruppe amerikanischer à„rzte spricht bei solchen à„usserungen denn auch nicht mehr vom Wachkoma ohne Bewusstsein, sondern von einem "Minimally Conscious State", dem minimalen Bewusstseinszustand.
Quelle: FRAGILE Suisse