Schlankheitsdiäten und Abmagerungskuren

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In der Schweiz kämpft jeder dritte Erwachsene mit Übergewicht. Während sich das männlicheGeschlecht (obschon häufiger betroffen) mit Gewichtsproblemen weniger schwer tut, will schon die Hälfte aller 14- bis 19jährigen Mädchen abnehmen. Und nur jede fünfte erwachsene Frau bezeichnet ihr Gewicht als «Wunschgewicht». Kein Wunder, dass Programme und Produkte zur Gewichtsreduktion Hochkonjunktur haben, denn mit dem Abnehmen ist sehr viel Geld zu verdienen.

Viel wichtiger als Diäten und Produkte ist die Umstellung alter Gewohnheiten

Tatsächlich hängt der Erfolg einer Gewichtsabnahme bzw. einer Erhaltung des einmal erreichten Wunschgewichts weit weniger von den eingesetzten Hilfsmitteln (Diäten, Medikamente, Schlankheitsprodukte, usw.) ab, als von der Bereitschaft bzw. der Möglichkeit zur nachhaltigen Veränderungen des individuellen Lebensstils. Und gerade dies macht das Abnehmen und Gewichthalten so schwierig! Eine erfolgreiche Gewichtskontrolle erfordert immer eine Umstellung ungünstiger Essgewohnheiten und das Aneignen neuer Verhaltensweisen. Ziel dieser Veränderungen ist, dass der Körper aufgrund überlegter Menügestaltung und vermehrter Bewegung mehr Kalorien verbraucht, als ihm zugeführt werden - man spricht dann von einer «negativen Energiebilanz». Und noch etwas: Längerfristig ist eine Gewichtsabnahme von mehr als einem Kilo pro Woche ohne gesundheitliche Gefährdung gar nicht möglich! Wunder dauern also auch hier etwas länger.

Vorsicht bei übertriebenen Versprechungen

Die Anpreisungen für Diäten und Schlankheitsmittel müssen oft als wahre «Bauernfängerei» bezeichnet werden: Wenn etwa von einem «Verlust von 12 Kilo Gewicht in 28 Tagen» die Rede ist, vom «Kalorienfänger, welcher jedes Fett um das 25fache seines Eigengewichts vermindert» oder von «negativen Kalorien», ist immer Vorsicht am Platz. Und wer suggeriert, man könne mit einer bestimmten Diät «essen und trinken, was man will und trotzdem schlank werden» oder «abnehmen im Schlaf», oder eine Lösung für Gewichtsprobleme finden «ohne Kalorienreduktion, ohne Gymnastik und ohne Schwitzen» usw., lügt in jedem Fall. Daran ändern auch die oft zusätzlich angegebenen Erfolgsgarantien nichts.

Vorsicht bei klingenden Namen und futuristischen Bezeichnungen

Im Schlankheitsmarkt wimmelt es von Fantasiebezeichnungen, welche weltweiten Erfolg vorspiegeln (wie «Eskimo-Diät», «Hollywood-Star-Diät», «Mayo-Diät», usw.) oder aber pseudowissenschaftlichen Floskeln wie etwa «Phy-Lambda Technologie», Fettentschlacker», «Kalorienfänger Ana-Med», «Fett-Mobilisierungs-System FMS», «Kryo-Energiefelder», usw. Sicher sind die ernährungswissenschaftlichen Zusammenhänge des Fettstoffwechsels sehr komplex - Fachjargon in Inseraten und Prospekten für Diäten und Abmagerungskuren ist aber oft blosses Imponiergehabe. 

Vorsicht, wenn  wissenschaftlichen Namen oder Theorien angeführt werden

Oft versuchen Hersteller, in Inserattexten wissenschaftliche Erprobung und Absicherung vorzugaukeln. So etwa bei der sog. «Max-Planck-Diät» - diese Kur ist dem Max-Planck-Institut in München selber völlig unbekannt! Andere Kuren wiederum stützen sich auf angeblich wissenschaftliche Grundlagen - so etwa Diäten vom Typ der Trennkost, welche den getrennten Konsum von kohlenhydrat- oder eiweisshaltigen Nahrungsmitteln empfehlen, oder die Trennung von «säurehaltigen» und «basischen» Nahrungsmitteln. Die dabei angeführten Theorien entbehren jeder wissenschaftlichen Relevanz.

Vorsicht bei überschwänglichen Dankesschreiben Betroffener

Viele Diäten werben mit begeisterten Dankesbriefen von Leuten, denen die Kur angeblich geholfen hat. Unterstrichen werden die Erfolge mit eindrücklichen Fotos «vor der Kur - nachher». Solche Berichte sind oft frei erfunden, die Bilder gefälscht. Auch wenn eine Kur in vereinzelten Fällen geholfen hat, heisst dies noch lange nicht, dass sich positive Resultate verallgemeinern lassen.

Vorsicht die Medizin muss für vieles herhalten!

Gerissene Anbieter verwenden oft Hinweise wie «ärztlich geprüft», «klinisch getestet», «von Ernährungswissenschaftern empfohlen», «von der à„rztekammer in xy bestätigt», «durch die Forschungsklinik yz erprobt« usw., um die Glaubwürdigkeit ihrer Produkte zu erhöhen. Solche Aussagen sind in der Regel nicht mehr wert, als das Papier, auf welchem sie gedruckt sind. Die zitierten Experten oder Institutionen sind oft nicht einmal angefragt worden.

Vorsicht bei gewichtskontrollierende Lebensmitteln, Ergänzungsnahrungen und Schlankheitsmahlzeiten

Diese Produkte sind für eine kurzfristige Gewichtskontrolle bzw. -abnahme konzipiert, und nicht für eine Einnahme während mehreren Wochen. Sie haben höchstens in der Startphase eines längerfristig angelegten Programms ihre Berechtigung. Die geringen geschmacklichen Variationsmöglichkeiten und die oft als störend empfundene flüssig-breiige Konsistenz vieler Produkte vermitteln kein genussvolles, abwechslungsreiches Esserlebnis. Essen bedeutet mehr als nur Aufnahme von Energie und Nährstoffen! Zudem werden bei der Einnahme von Spezialprodukten die tiefer liegenden Verhaltensweisen, welche zum Übergewicht geführt haben, nicht verändert; eine nachhaltige Gewichtsabnahme ist somit nicht zu erwarten. Leider finden sich in Prospekten, Informationsblättern, neuerdings sogar auf Internet-Seiten für Lebensmittel zur Gewichtskontrolle oder Ergänzungsnahrungen immer wieder unerlaubte gesundheitliche Anpreisungen - allen voran die Versprechung, dass sich die Erzeugnisse für eine nachhaltige Gewichtsabnahme eignen.

Vorsicht bei Fantasieprodukten

Oft werden (mit Vorliebe über anonyme Postfach-Adressen) Erzeugnisse angeboten, deren Wirkung bezüglich Fettreduktion weder biochemisch noch physiologisch nachweisbar bzw. begründbar ist: Kupferreifen, Schlankheitssohlen, Amulette, Schwitzanzüge, Bodyforming-Lotions, Bio-Schlank-Chips usw. können nun einmal den Fettstoffwechsel nicht beeinflussen! Das einzige, was denn auch beim Kauf garantiert an Gewicht verliert, ist das Portemonnaie der Käufer/Käuferinnen - eine Rückgabe der wirkungslosen Hilfsmittel ist meist nicht mehr möglich.

Vorsicht bei Vertragsabschluss

In manchen Fällen müssen sich Interessenten/-innen vertraglich zum Besuch mehrerer Sitzungen bzw. Kursstunden verpflichten und zusätzlich eine hohe finanzielle Anzahlung leisten. Hier hilft das Studieren des sogenannt «Kleingedruckten» im Vertragstext. Wichtig ist, dass im Text ein vorzeitiger Vertragsrücktritt ohne hohe Folgekosten vorgesehen ist.

Checkliste

Wenn einer oder mehrere Punkte der nachfolgenden Liste bei der angebotenen Diät oder Kur zutreffen, ist Vorsicht am Platz:

  • Die Diät garantiert einen Gewichtsverlust von angeblich mehr als 2 Kilo pro Woche über längere Dauer.
  • Es werden à„ngste vor Erkrankung geschürt (etwa: «Der Tod sitzt im Darm»).
  • Die Diät soll angeblich vorbeugend wirken, d.h. sie verspricht einen langfristigen Schutz vor Ansteckung
  • oder anderen Gesundheitsproblemen.
  • Die Diät soll heilend wirken, d.h. sie stellt eine rasche Beseitigung bestimmter Gesundheitsprobleme
  • oder sogar die dauernde Heilung bestehender Krankheiten in Aussicht.
  • Die Kur ist eintönig: Der Konsum gewisser Lebensmittel oder ganzer Nahrungsmittelgruppen ist verboten
  • umgekehrt müssen bestimmte Nährstoffe bzw. Nahrungsmittel oder Produkte in unnatürlichen
  • Mengen eingenommen werden.
  • Es wird suggeriert, dass man z. B. fett- oder zuckerhaltige Nahrungsmittel (Rahm, fettes Fleisch, Käse,
  • Honig, Süssigkeiten, usw.) in beliebigen Mengen verzehren oder Alkohol nach Belieben trinken dürfe.
  • Der Konsum gewisser Nahrungsmittel oder Produkte ist an bestimmte Tageszeiten gebunden bzw.
  • während bestimmten Zeitabschnitten verboten, oder bestimmte Nahrungsmittelgruppen dürfen nicht
  • gemeinsam eingenommen werden
  • Die Diät ist insgesamt sehr kostspielig, weil z.B. über einen Postfach-Versand teure Hilfsmittel, Bücher
  • oder Programm-Module erworben oder aber ungewöhnliche oder teure Lebensmittel eingekauft werden müssen.
  • Für die Kur müssen zur täglichen Nahrung spezielle Zusatzprodukte (Pulver, Pillen, Fertigmahlzeiten,
  • Tee- oder Kräutermischungen, Säfte, usw.) gekauft und über längere Zeit eingenommen werden.
  • Es wird mit schwärmerischen Dankesbriefen oder mit Fotos Betroffener geworben.
  • Prominente Persönlichkeiten, Forschungsinstitute oder Kliniken propagieren die Kur.
  • Produkte oder Diäten werden im Direktverkauf, also an der Haustür oder im Rahmen privater Treffen, verkauft. Oder Privatpersonen werden animiert, selber in die Verkaufstätigkeit einzusteigen, um damit Geld zu verdienen («Schneeball-System»).
  • Teilnehmer/innen müssen sich vertraglich verpflichten, an einer bestimmte Anzahl von Sitzungen bzw. Kursstunden teilzunehmen; ein Vertragsrücktritt ist nicht möglich oder aber mit hohen finanziellen Forderungen verbunden.

SCHWEIZERISCHE VEREINIGUNG FÜR ERNà„HRUNG

ASSOCIATION SUISSE POUR L'ALIMENTATION

ASSOCIAZIONE SVIZZERA PER L'ALIMENTAZIONE

SWISS ASSOCIATION FOR NUTRITION